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Johanna, Azoren

„Auf den Azoren lernt man laut der Reisebeschreibung viel über die Ökologie und Biodiversität des Atlantiks. Das stimmt! Was in der Beschreibung unerwähnt bleibt:
Dass man jeden Tag mehrmals mit kindlicher Begeisterung den Blas eines Finn-, Sei-, Buckel,- Blau oder Pottwals am Horizont erspäht und auf dem Weg dorthin fleissig debattiert, um welche Art es sich denn handelt, bei der Ankunft in gespanntes Schweigen verfällt, nur um dieses mit unkontrolierten Begeisterungsrufen zu brechen, sobald der majestätische Meeressäuger sein Blasloch, seinen Rücken, seine Finne oder Fluke in ein paar Metern Entfernung präsentiert.


Dass man zwischen den Inseln übers Meer prescht, den Wind in den Haaren und die Sonne auf der Haut, man den Menschen neben sich ansieht und auf dessen Gesicht das selbe Dauergrinsen sieht, was man auf den eigenen Lippen spürt. Man es erst gar nicht versucht, dieses Glücksgefühl in Worte zu fassen, sondern den Moment mit dem Auf-Einmal-Nicht-Mehr-Fremden auch so teilen kann.
Dass es schön ist, Hand in Hand mit seinem Schnorchel-Buddy über glitschige Steine ins Meer zu watscheln um die Unterwasserwelt zu erkunden, sich vom Salzwasser und dem Auftrieb der Neoprenhaut tragen zu lassen und trotzdem ab und zu abtauchen zu können, um sich einen Seeigel mal von nahmen anzusehen.
Dass es cool ist durch die Gruta das Torres geführt zu werden und zu begreifen, welche unglaublichen Kräfte bei der Entstehung der vulkanischen Inseln gewirkt haben.
Dass der Weg den Mount Pico rauf kein Sonntagsspaziergang ist, man sich beim Auf-und Abstieg aber gegenseitig motiviert und hilft und die Aussicht auf das unter einem liegende Wolkenmeer und die unfassbare Stille auf dem Gipfel einfach jeden Tropfen Schweiß und den Muskelkater in den nächsten Tagen Wert sind.
Dass es fast nichts aufregenderes und auf eine komische Art berührendes gibt, als vom Boot ins offene Meer zu hüpfen in dem Wissen, dass der Meeresgrund Hunderte von Metern unter einem ist und man sich gefühlt alleine in eine Parallelwelt begibt, in der man ein kurioser Gast ist, den die käckernden Delfine neugierig beäugen und umschwimmen.


Dass der kurze Moment des freien Falls, in dem man dieses Ziehen im Bauch fühlt, wenn man begleitet von den Anfeuerungsrufen der anderen endlich von der Klippe springt, einfach nur geil ist.
Dass man nach dem gemeinsamen Abendessen und den Seminareinheiten mit allen runter zum Meer läuft, um auf der Kaimauer zu sitzen und dem Blinken des Leuchtturms, der Boote und der Sterne zu zusehen und man immer jemanden zum Reden oder auch zum Schweigen hat.
Dass es gut ist, mal an seine Grenzen zu gehen und berauschend, wenn man Ängste überwindet.
Dass das erlangte Wissen toll, aber die vielen Erfahrungen drum herum noch tausenmal besser sind.“

Johanna, Azoren 2015.

 

 

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